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Romanischer Altarleuchter, süddeutscher Raum
Zuordnung
Beschreibung
Aus der für Kärnten so wichtigen Epoche der Romanik besitzt das Landesmuseum Kärnten ein kunsthistorisch international bedeutendes Altarleuchterpaar aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, das im Jahre 1873 sogar bei der großen Weltausstellung in Wien zu sehen war. Dabei handelt es sich um zwei alte Bodenfunde vom Grazerkogel bei St. Michael am Zollfeld, wobei einer der beiden Leuchter sich noch in einem besonders guten Erhaltungszustand befindet. Seit der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde es auch im Alpenraum allmählich Brauch, mehrere Kerzen in Leuchtern auf den Altar zu stellen. Vorher war es üblich, diese auf großen Kerzenständern aus Stein oder Holz vor oder hinter dem Altar aufzustellen oder aber eine gleichmäßige Beleuchtung des Presbyteriums mit im Gewölbe aufgehängten Ampeln zu gewährleisten. Jede kleinere Kirche besaß bis ins Spätmittelalter ursprünglich mindestens ein solches Kerzenleuchterpaar. Der Leuchtertypus des Klagenfurter Landesmuseums basiert auf lothringischen und maasländischen Vorlagen. Den dreiseitigen breiten Fuß des Leuchters bilden ineinander verschlungene Drachen. Über einem fast kreisrunden, ebenfalls ornamental geschmückten Nodus setzt ein weiteres zylindrisches Schaftstück an, das sich schließlich zum Lichtteller weitet. Der runde Teller wird in regelmäßigen Abständen von drei dämonischen Vögeln getragen. Die geflügelten Tierdarstellungen verweisen symbolisch auf die Überwindung des Bösen durch das Licht Christi und den Gottesdienst. Fuß und Knauf sind durchbrochen gearbeitet und zusätzlich mit floralen Elementen belebt. Der Dorn bildet eine optische Fortsetzung des leicht konischen Schaftes. Die feine und kleinteilige Oberflächengravierung mittels Parallelstrichen lässt eine Entstehung des Leuchters in süddeutschen Werkstätten vermuten. In Aufbau und Technik verwandte Altarleuchter gibt es u. a. im Augsburger und Freisinger Diözesanmuseum sowie im Bayerischen Nationalmuseum in München.
Material / Technik
Material / Technik: Bronzeguss
Maße
Objektmaß: 23,3 x 16 cm
Geographischer Bezug
Inventarnummern
K 66 A
Literatur
Die österreichische kunsthistorische Abtheilung der Wiener-Weltausstellung, Karl Lind, 2013, 167
Romanische Kunst in Österreich, Ausstellung vom 21. Mai bis 25. Oktober 1964 in der Minoritenkirche Krems-Stein, Herausgeber: Harry Kühnel; Krems an der Donau , 1964, 144
Schatzkunst. Die Goldschmiede- und Elfenbeinarbeiten aus österreichischen Schatzkammern des Hochmittelalters, Hermann Fillitz; Martina Pippal; Salzburg-Wien , 1987, 30
Eines Fürsten Traum. Meinhard II. - Das Werden Tirols, Tiroler Landesausstellung vom 13. Mai bis 31. Oktober 1995, Schloß Tirol, Stift Stams 1995; Dorf Tirol-Innsbruck, 1995, 2.10
Hemma von Gurk, Ausstellung auf Schloß Straßburg/Kärnten vom 14. Mai bis 26. Oktober 1988; Klagenfurt, 1988, 7.3
Macht des Wortes. Benediktinisches Mönchtum im Spiegel Europas. Europaausstellung Stift St. Paul im Lavanttal 26. April bis 8. November 2009, Teil 2 (Katalogteil), Herausgeber: Gerfried Sitar; Martin Kroker; Regensburg, 2009, 185-186, 10.23
Standort
kärnten.museum
Zugehörige Highlights


















