1 von 13
Gotisches Truhenschloss
Zuordnung
Beschreibung
Das eindrucksvolle Möbelschloss stammt von einer heute leider verschollenen großen Paramententruhe aus der Propstei- und Wallfahrtskirche von Maria Saal und gilt mit Recht als eines der bedeutendsten Werke der österreichischen Eisenkunst. Gegen Ende des Mittelalters hatte vermutlich das Schmiedehandwerk einen hohen Anteil an der Entwicklung des spätgotischen Kunstgewerbes. Die Architektonisierung der Ornamentik am Maria Saaler Schloss kann als symbolische Verkörperung des Himmlischen Jerusalem verstanden werden. Als Schmuckmotiv wurde dabei der Aufriss einer gotischen Kathedral-Fassade verwendet: Wimperge und Gesimse, Fialen, Krabben und Kreuzblumen werden hier in meisterlicher Qualität vom monumentalen Wandaufriss in das Kleinformat des kunstgewerblichen Gegenstandes übertragen. Die in fünf apotropäischen Drachenköpfen auslaufenden Schwünge des erhaben gearbeiteten unteren Rahmens und das filigrane Flamboyant-Maßwerk ermöglichen einen Datierungsansatz in das frühe 15. Jahrhundert. Die Verwendung solcher aus der Architektur stammender Maßwerkformen ist generell für das spätgotische Kunsthandwerk bezeichnend. In diesem Zusammenhang ist es aber bemerkenswert, dass Bauhütten im Mittelalter offensichtlich auch Entwürfe für Eisenkunstwerke anfertigten. Reich differenzierte Gebilde wie diese große Schlossplatte aus Maria Saal sind sehr selten und müssen überregional tätigen Werkstätten mit hohem künstlerischen Niveau entstammen. Stilistisch mit dem Maria Saaler Truhenschloss in Kärnten sehr gut vergleichbar ist vor allem die filigrane Laubsägearbeit des seit 1945 im Kunsthistorischen Museum Wien verbrannten Reliquienschreins aus Möchling im Jauntal. In der technischen Ausführung erreichen dabei die Kärntner Beispiele durchaus das hohe Qualitätsniveau der steirisch-oberösterreichischen Schlosserkunst wie z. B. an der Sakristeitür der Pfarrkirche von Bruck an der Mur oder am Griff der Kirchentür zu Mondsee. Bereits zur Gänze aus getriebenen Blechplatten bestehen die Wappentüren der Zeit um 1500, wie sie in Maria Saal, an der Pfarrkirche in Steyr und an der Piaristenkirche in Krems erhalten geblieben sind. In diesem Zusammenhang ergeben sich auch enge formale Beziehungen zu den Werkstätten in Nürnberg und Prag, den damaligen europäischen Zentren des mittelalterlichen Kunsthandwerks. Dieses bedeutende Sammlungsobjekt gelangte schon um die Mitte des 19. Jahrhundert in den Besitz des Geschichtsvereins und somit in das historische Museum im Klagenfurter Landhaus und wurde in weiter Folge auch oft bei Sonderausstellungen außerhalb Kärntens stolz präsentiert.
Datierung
Herstellung, um 1420
Material / Technik
Material / Technik: Schmiedearbeit (Eisen), Front gegossen, mit Pergament hinterlegt
Maße
Objektmaß: 42 x 48 x 8,5 cm
Geographischer Bezug
Inventarnummern
K 71
Literatur
Grubenhunt & Ofensau. Vom Reichtum der Erde. Landesausstellung Hüttenberg Kärnten 29. April bis 29. Oktober 1995; Klagenfurt, 1995, 144, 6.175
Schatz und Schicksal. Steirische Landesausstellung in Mariazell & Neuberg an der Mürz, 4. Mai bis 27. Oktober 1996; Graz, 1996, 221
Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 28. April bis 28. Oktober 2001 in Friesach, Teil 2 (Katalogteil); Klagenfurt, 2001, 152, 08.15
Das Maria Saaler Truhenschloss (um 1420), Robert Wlattnig, 469
Standort
kärnten.museum
Zugehörige Highlights


























