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Im Weingarten Gottes
Zuordnung
Beschreibung
Weingarten, Weinstock und Reben sind schon im Alten Testament beliebte Motive des christlichen Glaubens. Die blühende Weinranke ist ein Gleichnis für den Lebensbaum und kann sowohl Christus als auch Maria symbolisieren. Die vier Vögel an den Stäben des geflochtenen Zaunes ernähren sich von den Weintrauben und sollen die Seelen der Gläubigen versinnbildlichen. In der Transformation der Traube zu einem „geistigen Getränk“ ergibt sich darüber hinaus eine Analogie zum Opfertod und zur Auferstehung Christi. Die vor allem ikonografisch interessante Weingartendarstellung des Klagenfurter Museums zählt zweifellos zu den qualitätsvollsten mittelalterlichen Flachschnittarbeiten Österreichs. Das mit schwarzen, grünen und braunen Farbtönen bemalte Schnitzrelief schmückte einst eine sechsteilige Sängerchorbrüstung der 1911 abgetragenen Katharinenkirche in St. Ulrich bei Feldkirchen. Der Flachschnitt ist eine spezielle Schnitztechnik, die nur in Ländern praktiziert wurde, wo das langfaserige Nadelholz vorherrschte, wie in Nordeuropa und in den Alpenländern. Die Holzbearbeitungstechnik des Flachschnittes entwickelte sich in Kärnten im frühen 16. Jahrhundert als Nachklang zur überaus reichen, figürlichen Altarschnitzkunst. Der bemalte Flachschnitt fand in der frühen Neuzeit in erster Linie als dekorative Flächenfüllung an Plafonddecken, bei Emporen- und Kanzelbrüstungen, Sitzbänken, Beicht- und Betstühlen sowie an Kästen reiche Verwendung. Alle diese Beispiele bezeugen den hohen Stand der handwerklichen Kunstübung während der Spätgotik in Kärnten. Für die Zeit um 1520 bis 1530 wird von der wissenschaftlichen Forschung heute die Existenz einer eigenen leistungsfähigen Werkstätte zur Herstellung von Flachschnittarbeiten und patronierten Decken in der Stadt Feldkirchen im Kärntner Zentralraum angenommen. Aus ehemals bambergischen Ortschaft Feldkirchen stammen u. a. ein mit 1521 bezeichneter großer Sakristeischrank und insgesamt 22 bemalte Flachschnitztafeln aus dem Jahre 1518 im Museum für Angewandte Kunst in Wien. Auf Grund der ähnlichen Wahl der Motive (Blumen- und Weinranken) und der fast identischen Schriftbänder können derzeit weiters die Flachschnittarbeiten in St. Margarethen in der Reichenau (1518) und in der Katharinenkirche von Bad Kleinkirchheim (um 1520) demselben zunächst noch hypothetischen Feldkirchner Meister zugeschrieben werden.
Datierung
1526
Material / Technik
Material: Lindenholz
Technik: geschnitzt
Maße
Objektmaß: 97 x 79 x 4 cm
Geographischer Bezug
Inventarnummern
GV 6889
Literatur
Macht des Wortes. Benediktinisches Mönchtum im Spiegel Europas. Europaausstellung Stift St. Paul im Lavanttal 26. April bis 8. November 2009, Teil 2 (Katalogteil), Herausgeber: Gerfried Sitar; Martin Kroker; Regensburg, 2009, 225-226, 14.12
Flachschnittarbeiten in Kärnten, Günther H. Neckheim, 1953
Schablonierte sowie bemalte Holzdecken in Kärnten und ihre Restaurierung, Siegfried Hartwagner, 1968
Gotik in Feldkirchen, Robert Wlattnig; Hans Neuhold, 1994
Alles Jagd…eine Kulturgeschichte, Landesausstellung Ferlach im Rosental/Kärnten, 26. April bis 26. Oktober 1997; Klagenfurt, 1997, 25.13
Standort
kärnten.museum
Zugehörige Highlights








