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Altar mit der Vituslegende
Zuordnung
Beschreibung
Die dem heiligen Veit geweihten Altarteile stammen aus der Kapelle des Bürgerspitals der ehemaligen Landeshauptstadt St. Veit a. d. Glan und gelangten 1867 in das Geschichtsvereinsmuseum nach Klagenfurt. Die acht Bilder der Vituslegende folgen der Legenda Aurea des Jacobus de Voragine (um 1228/1229–1298), wenn auch in einer im Szenenverlauf leicht abweichenden Fassung. Die Erzählung beginnt oben links mit der Bootsflucht des Heiligen Vitus über das Meer in Begleitung seines legendären Erziehers Modestus und der seligen Amme Crescentia. Rechts davon legt Vitus seinem blinden Vater die Hände auf, damit dieser sehend werde. Im dritten Bild wird Vitus auf Anordnung des römischen Kaisers Diokletian in einen Backofen geworfen. Es folgt die Prügelung des Märtyrers durch Schergen des Kaisers. Die untere Erzählreihe beginnt mit der wundersamen Speisung der drei Heiligen durch einen Adler. Links davon wird Vitus auf Anordnung des Kaisers in einen Löwenkäfig gesperrt. Die beiden wilden Tiere legten sich aber nieder, leckten seine Füße und taten ihm nichts. Im vorletzten Bild werden Modestus und seine Begleiter auf ein galgenartiges Foltergerüst gehängt, aber durch Engel rechtzeitig losgebunden. Schließlich sind Vitus, Modestus und Crescentia angeblich im Jahr 304 in Lukanien in Süditalien gleichzeitig verstorben und wurden dort in drei Särgen von der Witwe Florentia und zwei Freundinnen in voller Ehrfurcht begraben. Neben der außergewöhnlichen Ikonografie kulturgeschichtlich besonders interessant sind die weitläufigen Seelandschaften mit den außergewöhnlichen Stadtveduten im Hintergrund der Bilder. Es sind wie im Spätmittelalter üblich durchwegs fest ummauerte Ortschaften mit mächtigen Stadttoren und mehrgeschossigen Rundtürmen. Innerhalb der Stadtmauern stehen dicht zusammengerückt die einzelnen Wohnhäuser und man erkennt, dass diese bereits alle wegen der hohen Brandgefahr mit roten Ziegeln gedeckt sind. Auch das nähere Umland der Städte ist mit parkähnlichen Grünanlagen reich kultiviert und bevölkert. Die stilistische Herkunft der Tafelgemälde des St. Veiter Altares ist weitgehend unbekannt, da es in Kärnten für diese Art der Malerei weder Vorläufer noch eine Fortsetzung gibt. Von der Forschung wird zu Recht vermutet, dass die wesentlichen Stileinflüsse und ikonografischen Vorlagen direkt aus dem Süddeutschen Raum kommen und dass es einen gewissen Zusammenhang mit der aus Nürnberg um Mitte des 15. Jahrhundert nach St. Veit zugewanderte Kaufmannsfamilie Kaltenhauser gibt. Auch auf die historische Bedeutung des Heiligen Vitus als Stadtpatron der ehemaligen Landeshauptstadt St. Veit (bis 1518) soll an dieser Stelle hingewiesen werden.
Datierung
um 1460 - 1470
Maße
Objektmaß: 135 x 70 cm
Inventarnummern
K 26 a-h
Literatur
Die spätgotischen Altäre Kärntens, Otto Demus; Klagenfurt, 1991, 20-22, 700-702
Die Tafelgemälde aus der Vituslegende in den Sammlungen des kärntnerischen Geschichtsvereins in Klagenfurt, Franz G. Hann; Klagenfurt, 1894, 1-3
Der Vitusaltar im Landesmuseum Klagenfurt, Wolfram Helke; Wien, 1974, 32-43
Die Tafelmalerei der Gotik in Kärnten (1420–1500), Janez Höfler; Klagenfurt, 1987, 53-55
St. Veit an der Glan. Kunstgeschichtlicher Führer, Andreas Besold; Klagenfurt, 1997, 77-78
Standort
kärnten.museum (Dauerausstellung)
Zugehörige Highlights




























































