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Beweinung Christi

Thomas von Villach (Maler:in)
Beschreibung
Das bekannte Tafelgemälde entstand um 1493 im Auftrag des St. Pauler Abtes Sigmund Jöbstl von Jöbstlberg (1488–1498), der sich auch sonst in der Region als Stifter sehr hervorgetan hat. Der kunstsinnige Abt ist im unteren linken Teil des Epitaphbildes als kleine, kniende Figur in vollem Ornat und mit seinem Wappen im Gebet kniend wiedergegeben. Die Tafel befand sich ursprünglich wahrscheinlich im nördlichen Querhaus der Stiftskirche des Benediktinerklosters St. Paul im Lavanttal, wo sich bis heute das 1493 inschriftlich datierte Stifterfresko und das Selbstporträt des Thomas von Villach erhalten hat. 1561 wurde die Beweinungstafel anlässlich der Neuweihe der von St. Paul betreuten Leonhardskirche nach Abtei ins Untere Rosental übertragen. Von dort gelangte das wertvolle Gemälde nach mehrmaliger Restaurierung 1940–1942 aus konservatorischen Gründen zunächst in das Fürstbischöfliche Diözesanmuseum und schließlich 1958 nach weiteren Restaurierungsmaßnahmen durch Ankauf in das Landesmuseum nach Klagenfurt. Die Abteier Tafel zeigt eine für die alpenländische Spätgotik ungewöhnliche Kombination einer Beweinungsszene mit Elementen aus der Kreuzabnahme und der Grablegung Christi. Diese Verbindung von byzantinischen und mittelalterlichen Darstellungsformen erscheint hier in einer farblich ausgewogenen, stark flächenbetonten Komposition. Im oberen Bildteil befindet sich vor neutralem Goldgrund ein großes leeres Holzkreuz mit einer angelehnten Leiter, flankiert von den beiden Schächern auf Astkreuzen. Alle übrigen Figuren werden auf eine seichte Raumbühne in den Bildvordergrund gedrängt. Das zentrale Thema ist die Pieta, eine in der Spätgotik beliebte Verbildlichung des seelischen Schmerzes und der expressiven Klage. Eine besondere szenische Dynamik entsteht nicht nur durch die dramatische Gestik der einzelnen Akteure, sondern auch durch deren räumliche Anordnung entlang einer Diagonale von links oben nach rechts unten. Die Idee, die Beweinung Christi mit einem auf den Schößen der drei Marien liegenden Leichnam darzustellen, stammt aus dem italienischen Trecento, in einzelnen Details sind aber auch gewisse Stileinflüsse aus dem niederländischen Westen deutlich erkennbar. Da man in Kärnten gegen Ende des 15. Jahrhunderts kaum in direkten Kontakt mit Künstlern aus Nordwesteuropa treten konnte, musste Thomas Artula von Villach (geboren um 1435/1440 in Thörl, gestorben um 1530 in Villach) um 1490 eine Studienreise unternommen haben, auf der er sich mit fremdem Formengut vertraut gemacht hat. Die Beweinungstafel ist zweifellos die beste eigenhändige Arbeit des Thomas Artula aus seiner reifen Schaffensperiode und charakteristisch für den unverwechselbaren Lokalstil der Villacher Schule. Der Künstler hat hier in höchster Qualität verschieden alte Bildmotive mit neuen, innovativen Ideen verbunden und damit ein sehr individuelles Meisterwerk geschaffen.
Datierung
um 1493
Personen
Material / Technik
Material / Technik: Temperamalerei auf Holz
Maße
Objektmaß: 160 x 123 cm
Inventarnummern
K 20
Literatur
Die Tafelmalerei der Gotik in Kärnten (1420–1500), Janez Höfler; Klagenfurt, 1987, 63-65, 22 Der Meister von Gerlamoos, Otto Demus; Wien, 1938, 87-90, XII Der bedeutendste Maler der Kärntner Spätgotik - Thomas Artula von Villach, Wilhelm Neumann; Villach, 1983, 59-98
Standort
kärnten.museum