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Einsetzungszeremonie des ersten Hochmeisters des St. Georgs-Ritterordens Johann Siebenhirter durch Papst Paul II. und Kaiser Friedrich III. am 1. Jänner 1469 in der Lateransbasilika in Rom

Beschreibung
Der St.-Georg-Ritterorden wurde von Kaiser Friedrich III. auf Grund eines Gelübdes aus dem Jahre 1462 zum Zwecke der Türkenabwehr gegründet. Doch konnte der geistliche Orden mangels einer größeren Mitgliederzahl in keiner Weise seiner wehrhaften Aufgabe gerecht werden. Die wahren Leistungen der Rittergemeinschaft waren nicht militärischer Natur, sondern lagen allein auf dem Gebiet der Kunst. Von den wohltätigen Stiftungen der St.-Georg-Ritter gingen vor allem in den Jahren vor und nach 1500 kunstanregende Impulse für das ganze Land aus. Die bedeutendste Persönlichkeit und der größte Kunstmäzen des Ordens war zweifellos sein erster Hochmeister Johann Siebenhirter (1420–1508). In seinem Auftrag wurde am 1469 das ehemalige Benediktinerstift Millstatt zum Ordenshauptsitz ausgebaut und befestigt. Bereits im Jahre 1490 muss laut Bauinschrift seine Memorialkapelle im nördlichen Seitenschiff der Millstätter Stiftskirche bereits vollendet gewesen sein. Für die Verkleidung der Ostwand dieser Kapelle war auch das ursprünglich durch Flügel verschließbare und mit einer zusätzlichen Inschrift ausgestattete Tafelbild mit einer möglichst detailgetreuen der Darstellung der Gründungszeremonie des Georgritterordens in Rom bestimmt. Die spitzbogige Tafel zeigt uns einen perspektivisch leicht erhöhten Einblick in den saalartigen Kircheninnenraum von San Giovanni in Laterano mit dem kaiserlichen Hofstaat im Vordergrund und dem versammelten päpstlichen Kardinalskollegium in der Bildmitte. Der Handlungsablauf des Einsetzungsaktes im Kompositionszentrum wird in Form einer simultanen Erzählung in drei Phasen zerlegt: Treueeid, Ritterschlag und die Investitur mit dem Ordensgewand, wobei stehend der Ordensgründer Friedrich III., sitzend Papst Paul Il. und kniend der Hochmeister Siebenhirter dreimal nebeneinander wiedergegeben werden. Mehrfarbige Fliesenbodenmuster und bunt verzierte Brokatteppiche verleihen dem monumentalen Historienbild ein festlich-höfisches Gepräge. Besonders stimmungsvoll variiert der Künstler die Porträtköpfe, Bewegungen und kräftigen Farben der weltlichen Kostümfiguren des Ritterstandes im unteren Bilddrittel. Innerhalb der Kärntner Malerei der Dürerzeit bleibt der offensichtlich in der Villacher Werkstatt des Thomas Artula und vielleicht auch in den Habsburgerresidenzen in Tirol und Wiener Neustadt geschulte Meister der Siebenhirter-Tafel wegen seiner ungewöhnlichen Synthese unterschiedlicher Stileinflüsse weitgehend isoliert.
Datierung
um 1490
Material / Technik
Material / Technik: Eitempera auf Nadelholz
Maße
Objektmaß: 238 x 295 cm
Geographischer Bezug
Inventarnummern
K 86
Literatur
Die spätgotischen Altäre Kärntens, Otto Demus; Klagenfurt, 1991, 699 Das Landesmuseum für Kärnten und seine Sammlungen, Gernot Piccottini; Klagenfurt, 1987, 110-111 Die spätgotischen Altäre Kärntens, Otto Demus; Klagenfurt, 1991, 699 Millstätter Siebenhirter-Tafel, Robert Wlattnig; Klagenfurt, 1994, 378-379 Die Tafelmalerei der Dürerzeit in Kärnten (1500–1530), Janez Höfler ; Klagenfurt, 1998, 98-105, 14 Kärnten, Spätmittelalter und Renaissance, Janez Höfler; München-Berlin-London-New York, 2003, 469
Standort
kärnten.museum