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Jahreszeiten-Familienbild

Josef Ferdinand Fromiller (Maler:in)
Beschreibung
Josef Ferdinand Fromiller ist zweifellos der bedeutendste Barockkünstler in Kärnten. Ein Jahrzehnt nach dem Tod seiner Frau entstand das sogenannte Jahreszeiten-Familienbild von 1759, ein für diese Zeit ganz ungewöhnliches Erinnerungsbild und Selbstporträt. In der Bildmitte erscheint die bereits 1749 verstorbene Anna Maria Fromiller mit gelbem Kleid und blauem Mantel hinter einem Tisch sitzend. Hinter ihr befindet sich der Künstler selbst und an der linken Seite zwei Töchter des Ehepaares. Es handelt sich dabei nicht um ein einfaches Familienporträt, sondern um ein Bild, in dem der bekannte Maler kurz vor Ende seines Lebens mehrere sinnstiftende Gedanken gleichzeitig vereint. Es ist zweifelsohne ein ganz besonderes familiäres Erinnerungsbild, weil sich hier Fromiller selbst als willensstarke Persönlichkeit des öffentlichen Lebens darstellt. Neben dem Aspekt der Imagination einer heilen Familie enthält das Bild durch die Beigabe von jahreszeitlichen Symbolen in den Händen der einzelnen Akteure auch noch Hinweise auf die verschiedenen Lebensabschnitte der Familienmitglieder, wobei die Töchter aber nicht ihrem wirklichen Geburtsdatum entsprechen, sondern etwas älter wirken. Die jüngste Tochter, Maria Catherina (geboren 1744) als Flora im Vordergrund stellt mit den drei blühenden Rosen und Granatapfelblüten als Zeichen der Schönheit den Frühling dar, während ihre ältere Schwester Maria Antonia (geboren 1740) als Ceres im Hintergrund mit Kornblumen im Haar und Ähren in der Hand den Sommer personifiziert. Die Mutter gibt mit den Weintrauben als christliches Zeichen für die Fruchtbarkeit und Auferstehung den Herbst wieder und der Vater als ältestes Familienmitglied mit dem etwas blassen Gesicht den kalten Winter. Bekräftigt wird diese lebensbejahrend-sinnliche und zugleich auch religiös-transzendent geprägte Allegorie durch einen inhaltlich entsprechenden Spruchvers am datierten großen Zettel, der im Bildvordergrund neben der Obstschale mit Pfirsichen, dem Lieblingsobst der jüngsten Tochter, auf dem Tisch liegt. Josef F. Fromiller wurde vermutlich um 1693 in Oberdrauburg geboren und erhielt seine erste Ausbildung zunächst bei seinem Vater Benedikt Fromiller (1666–1726) und absolvierte anschließend von zirka 1708 bis 1713 eine Lehre beim Klagenfurter Maler Ferdinand Stainer (verstorben 1725), der ihm vor allem das Wissen über die römische Barockkunst vermittelte. Am 9. Dezember 1760 starb der Maler, Kupferstecher, Radierer und Zeichner Josef F. Fromiller schließlich als wohlhabender Bürger in Klagenfurt. Er hinterließ bei seinem Tod zahlreiche Kinder und ein beträchtliches Vermögen, aber keinen unmittelbaren Werkstattnachfolger oder Schüler auf dem Gebiet der bildenden Kunst. Von seinem umfangreichen künstlerischen Werk sind zurzeit 16 Freskenzyklen, rund 70 Ölbilder, 200 Zeichnungen und 50 druckgrafische Arbeiten dokumentiert. In seiner langen Schaffensperiode konnte Fromiller in Kärnten aufgrund der fehlenden Konkurrenz eine Art Monopolstellung mit zahlreichen repräsentativen Großaufträgen der Landstände, des Adels und der Kirche erreichen.
Datierung
1759
Personen
Material / Technik
Material / Technik: Öl auf Leinwand
Maße
Objektmaß: 107 x 90 cm
Inventarnummern
K 97
Literatur
Ausstellungskatalog „Jos. F. Fromiller - Profane Themen“, Richard Milesi; Klagenfurt, 1976 Josef Ferdinand Fromiller. Barockkunst in Kärnten, Friedrich W. Leitner; Klagenfurt, 2005, 103, 110, 3
Standort
kärnten.museum