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Pfeifenrauchender Bauer

Josef Ferdinand Fromiller (Maler:in)
Beschreibung
Das ursprünglich aus Privatbesitz stammende und erst im Dezember des Jahres 2008 für das Landesmuseum bei einer öffentlichen Auktion erworbene Bild mit der Darstellung eines Pfeifenrauchers ist leider nicht signiert, kann aber mit Sicherheit dem Kärntner Barockmaler Josef F. Fromiller zugeschrieben werden. Im Gesamtwerk von Fromiller dürfte es für diese sehr volkstümliche Thematik eines Bauernstückes mindestens vier etwas unterschiedlich gestaltete Ausführungen dieser genrehaften Thematik in Öl auf Leinwand gegeben haben. Als konkrete Vorlage für das eher seltene bäuerliche Genrebild dienten dem Künstler vermutlich niederländische Stiche und Gemälde aus der lombardischen Schule aus der Zeit um 1700. Ein älterer bärtiger Mann mit schwarzem Hut auf dem Kopf, der auf Grund der ärmlichen Kleidung als Bauer oder Vagabund identifiziert werden kann, sitzt mit überkreuzten Beinen an einer Tischecke, auf der sich eine Kuhglocke, ein Weinkrug aus Metall, ein Stück Wurst, ein Messer und eine Zunderbüchse befinden. Den linken Ellbogen stützt er auf ein am Boden stehendes großes hölzernes Weinfass und führt mit der Hand eine Pfeife, von der er gerade genussvoll einen kräftigen Zug nimmt, zum Mund. Über dem Henkel der Weinkanne hängt als allegorisches Attribut außerdem eine noch glühende Zündschnur. Der Bauer trägt einen zerschlissenen grünen Rock und darunter ein besonders virtuos gemaltes weißes, am Ausschnitt vorne nur mit einem Band zusammengehaltenes Hemd. Über seinen Beinen liegt zusätzlich ein schwerer Arbeitsmantel aus dunklem Leder. Links neben dem Bauern reicht ihm ein junger Gehilfe in braunem Gewand mit beiden Händen ein Stück Brot. Ein schlanker Jagdhund steht zwischen den beiden Figuren und schnüffelt an einem Proviantsack. In der Raumrückwand klebt oberhalb des Hundekopfes ein unbeschriebenes Blatt Papier, genau an einer solchen Stelle, wo man bei einer niederländischen Vorlage einen Sinnspruch mit Signatur und Datierung vermuten könnte. Diese Darstellung im Landesmuseum kommt dem Kompositionsentwurf im Kärntner Landesarchiv relativ nahe. Das Gesicht des alten Mannes wirkt in der Zeichnung allerdings stärker eingefallen und die tief liegenden Augen mit dem direkt auf den Betrachter gerichteten Blick erscheinen insgesamt etwas aufgeweckter als auf dem Gemälde. Auch beim Jüngling gibt es kleine Abweichungen. Auf dem Ölbild wirkt das in der Zeichnung noch verlegen-freundliche Lächeln doch schon etwas erstarrt und ins Leere gehend. Dem Knaben fehlt auf dem Gemälde auch das kleine Taschenmesser in der rechten Hand und dem Hund im Bildhintergrund etwa der Haltering am Halsband. Solche offensichtlich erst in den letzten Lebensjahren Fromillers entstandenen Genrebilder sind durch eine genaue Detailwiedergabe, eine starke Intensität der Farbe sowie der Hell–Dunkel-Kontraste geprägt und repräsentieren durch die tonige Art der Lichtführung eine relativ hohe Qualitätsstufe, was gegen eine ebenfalls mögliche Frühdatierung dieses Werkzyklus spricht. Neben der nuancenreichen Gestaltung und der starken Lichtkontraste überzeugt Fromiller hier künstlerisch vor allem auch durch die psychologisierenden Charakterstudien in den Gesichtern der Figuren.
Datierung
um 1755 - 1760
Personen
Material / Technik
Material / Technik: Öl auf Leinwand
Maße
Rahmenmaß: 113 x 122 cm
Inventarnummern
K 717
Literatur
Ausstellungskatalog „Jos. F. Fromiller - Profane Themen“, Richard Milesi; Klagenfurt, 1976 Josef Ferdinand Fromiller. Barockkunst in Kärnten, Friedrich W. Leitner; Klagenfurt, 2005, 93-94
Standort
kärnten.museum