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Der blinde Leiermann
Josef Ferdinand Fromiller (Maler:in)
Zuordnung
Beschreibung
Der wahrscheinlich um 1693 in Oberdrauburg geborene Maler, Kupferstecher, Radierer und Zeichner Josef Ferdinand Fromiller gilt heute zu Recht als der bedeutendste Künstler des Barockzeitalters in Kärnten. Er erhielt seine erste Ausbildung zunächst bei seinem Vater Benedikt Fromiller und absolvierte anschließend von zirka 1708 bis 1713 eine Lehre beim Klagenfurter Maler Ferdinand Stainer (gest. 1725), der ihm vor allem das Wissen über die römische Barockkunst von den Carracci bis zur Richtung der Neuformulierung der Klassik bei Carlo Maratta vermittelte. Die ersten Förderer Fromillers waren die Freiherren von Stampfer und andere Adelsfamilien in Kärnten. Später erhielt der Künstler, der 1733 in der Landeshauptstadt Klagenfurt zum landständischen Maler aufstieg, auch besonders viele repräsentative und lukrative Aufträge aus der Hand des Klerus. Fromiller bewohnte bis 1743 sein Elternhaus in der 8.-Mai-Straße Nr. 21 in Klagenfurt und übersiedelte anschließend in sein eigenes Haus am Benediktinerplatz Nr. 8, wo sich heute eine Gedenktafel befindet. In seinen letzten Lebensjahren beschäftigte sich Josef F. Fromiller auf Grund seines fortgeschrittenen Alters vorwiegend mit der Genre- und Stilllebenmalerei. Mit seinen zahlreichen Spätwerken schuf er so einen entscheidenden Beitrag zu dieser Kunstgattung im inneralpinen österreichischen Raum. Häufig entlehnte er dabei ganze Kompositionsentwürfe und Detailstudien für seine Gemälde aus niederländischen Vorbildern. Ein solche Kopie von ausgesprochen hoher Qualität ist die um 1755 entstandene Wiedergabe eines blinden Leiermannes nach einer gleichnamigen im caravaggesken Realismus gemalten Darstellung des holländischen Malers Jacob Toorenvliet (1640–1719). Der auf einem Auge blinde Bettler sitzt mit seiner Drehleier an einem Tisch gemeinsam mit einer jungen Frau mit Notenblatt in ihren beiden Händen und zwei weiteren männlichen Personen im Hintergrund. Vorne in der Bilddiagonale ist links unten noch zusätzlich der Kopf eines jungen Hundes erkennbar, der hier ganz allgemein vermutlich als Symbol der Gemeinschaft und der Freundschaft interpretiert werden kann. Eine entsprechende Entwurfszeichnung zu diesem Leiermann-Gemälde Fromillers befindet sich auch im sogenannten Stainer/Fromiller-Klebeband des Kärntner Landesarchivs. Am 9. Dezember 1760 verstarb Josef F. Fromiller schließlich als wohlhabender Bürger in Klagenfurt. Er hinterließ bei seinem Tod zahlreiche Kinder und ein beträchtliches Vermögen. Von seinem umfangreichen künstlerischen Werk sind zurzeit 16 Freskenzyklen, rund 70 Ölbilder, 200 Zeichnungen und 50 druckgrafische Arbeiten dokumentiert. Für viele bedeutende Werke hat Fromiller grafische Vorlagen verwenden oder hat direkt von anderen Meistern bestimmte Details und ganze Kompositionen kopiert, eher selten sind absolute Neuschöpfungen von seiner eigenen Hand. Besonders häufig verwertete er Druckgrafiken ältere italienischer, süddeutscher und niederländischer Künstler aber auch Vorlagen seines Lehrers Ferdinand Stainer.
Datierung
um 1755
Personen
Josef Ferdinand Fromiller, Maler:in
Material / Technik
Material / Technik: Öl auf Leinwand
Maße
Objektmaß: 103 x 119 cm
Inventarnummern
K 96
Literatur
Josef Ferdinand Fromiller. Barockkunst in Kärnten, Friedrich W. Leitner; Klagenfurt, 2005, 115, 8
Josef Ferdinand Fromiller (1693–1760). Aktueller Forschungsstand und Neuankäufe für das Landesmuseum. Eine kunsthistorische Würdigung zum 250. Todesjahr des berühmten Kärntner Barockmalers, Robert Wlattnig; klagen, 2010, 11-22
Standort
kärnten.museum
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