Skip to main content

Spätgotisches Vortragekreuz

Beschreibung
Prozessionskreuze mit einer lateinischen Grundform sind sowohl an der Alpennordseite als auch in Oberitalien seit dem Ende des 13. Jahrhunderts weit verbreitet. Das ikonografische Programm des Lesachtaler Vortragekreuzes steht ganz im Zeichen der älteren aus dem venezianischen Einflussbereich vermittelten italo-byzantischen Tradition und zeigt zwei Aspekte: Die Kruzifixus-Seite mit dem gekreuzigten Heiland flankiert von den Halbfiguren der trauernden Maria und des hl. Johannes. Im oberen und unteren Dreipass die Brustbilder zweier Engel in priesterlicher Gewandung mit Rauchfass und Weltenkugel. Die Rückseite mit Christus als Salvator und jeweils am Kreuzbalkenende gegenüberliegend die Symbole für die vier Evangelisten. Solche meist in Edelmetall ausgeführten Goldschmiedearbeiten standen jahrhundertelang in Gebrauch und sind auch auf Grund ihres enormen Materialwertes nur sehr selten unbeschädigt erhalten geblieben. Wahrscheinlich noch im Mittelalter wurde die ursprüngliche Christusfigur der Passionsseite unseres Kreuzes durch einen für die Kreuzbalken maßstäblich zu großen und etwas älteren Kruzifixus ersetzt. Dabei handelt es sich um ein sehr qualitätsvolles, im Oberkörper und im Gesicht ungemein fein ausgearbeitetes Fragment eines nordisch inspirierten Kreuzes aus der Zeit um 1360/1380. Die übrigen figuralen Darstellungen sind stilistisch relativ einheitlich und entsprechen dem in Oberitalien weit verbreiteten Darstellungstypus aus dem 2. Viertel des 15. Jahrhunderts. Speziell in der Region Friaul haben sich etwa in den Orten Zuglio, Gemona, Tricesimo und Cormons stilistisch verwandte Goldschmiedearbeiten mit bis ins Detail übereinstimmenden Modeln erhalten. Es handelt sich wahrscheinlich um Produkte retrospektiv arbeitender Goldschmiedewerkstätten in Udine und Cividale, die unter Verwendung von alten Stempelformen des 14. Jahrhunderts und in weniger kostbarem Material verkleinerte Repliken stilistisch älterer Vortragekreuze herstellten. Über den Fernhandel gelangten solche friulanischen Quatrocentokreuze vor allem entlang der weit verzweigten Wallfahrtswege in benachbarte Gebiete, z. B. nach Krain aber auch bis nach Südtirol, Kärnten oder bis in die Schweiz. Einige Werke dieser speziellen und örtlich gebundenen Fabrikation gelangten später zum Teil auch über den Kunsthandel in große Museen, so z. B. in das Nationalmuseum nach Ljubljana, in das Bayerische Nationalmuseum in München oder in das Wiener Dom- und Diözesanmuseum.
Datierung
um 1400
Maße
Objektmaß: 31 x 25 x 3,5 cm
Inventarnummern
K 10
Literatur
Schatzhaus Kärntens, Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal 1991, Teil 1 (Katalogteil); Klagenfurt, 1991, 6.4 Vortragekreuz aus Podlanig, Hauptautor: Robert Wlattnig, 1994, 382-383 Il Gotico nelle Alpi, 1350-1450; Trento, 2002, 788-789, 155
Standort
kärnten.museum