Medaillongrabstein mit Porträtbüsten, Zollfeld/Maria Saal
Zuordnung
Beschreibung
Aus der Rundnische blicken die Büsten eines Ehepaares; jene des Mannes fast frontal postiert, jene der Frau durch die rechte Schulter des Gatten etwas verdeckt und dadurch leicht schräg in den Hintergrund gerückt. Die Frau trägt ein um die Mitte gegürtetes Hauptgewand, das an den Schultern zwei Flügelfibeln schmücken und, über die Schultern gelegt, einen vorne offenen Mantel, an dessen Saum die etwas zu groß geratene Rechte fasst – insgesamt die Tracht der einheimischen Frauen, wozu noch eine norische Haube gehört, welche die zurückgekämmten Haare bedeckt und nur wenige Stirnlocken sichtbar belässt. Ihren Hals schmückt ein Band mit Lunula (Mondsichel)-Anhänger, am rechten Handgelenk findet sich ein Armreif und an der Brust eine kleine Fibel. Der Mann ist in römisches Gewand, in Tunica und Toga oder einen Mantel, gehüllt und hält in der linken Hand eine Schriftrolle, auf die er zwei Finger seiner Rechten legt. Sein Gesicht ist bärtig, nach Art der Mode der hadrianisch-antoninischen Zeit, seine Frisur, in die Stirn gekämmt, entspricht derselben Epoche.
Die Körper- und Gewandpartien beider Büsten sind mit geringer Kunstfertigkeit bearbeitet, daher sehr flächig, der Faltenwurf im provinziellen Rillenstil gehalten und in allem ziemlich schablonenhaft. Nur die Köpfe zeigen größere Sorgfalt, treten plastischer aus dem Medaillonhintergrund hervor und verraten zumindest den Versuch individueller Gestaltung. Grundsätzlich gilt es hier zu bedenken, dass in den Bildhauerwerkstätten derartige Medaillon- und Nischenporträtgrabsteine vielfach auf Vorrat hergestellt worden sind, wobei weniger geübte Steinmetze die Vorarbeiten am äußeren Rahmen und an den Büsten besorgten, die Bearbeitung der Köpfe selbst aber erst nach der Bestellung erfolgte, und dies wohl durch einen besser geschulten Bildhauer.
Datierung
ca. etwa Mitte 2. Jh. n. Chr.
Material / Technik
Material: Marmor aus Gummern
Maße
Objektmaß: 87 x 76 x 26 cm
Klassifikation
Inventarnummern
Lap. 48
Inschrift
Referenznr.: LUPA 833
Standort
kärnten.museum
Zugehörige Highlights

