Grabbaurelief, St. Paul im Lavanttal
Zuordnung
Beschreibung
Nach den äußeren Merkmalen dieser sekundär wesentlich abgearbeiteten und stark beschädigten Reliefplatte handelt es sich wohl um eine dem Sockelbereich eines größeren Grabmonumentes zuzuordnende und mit Reliefszenen verzierte Verkleidungsplatte.
Noch deutlich erkennbar sind zwei Figuren: rechts eine durch Flügelschuhe als Hermes-Mercur zu deutende Gestalt, die nach links ausschreitet und mit der erhobenen Rechten eine nur zur Hälfte erhalten gebliebene, wohl männliche Person zu führen scheint. Der ziemlich plastisch gearbeiteten Figur des Gottes fehlen Kopf und linker Arm, doch sind Spuren des Mercurstabes (kerykeion), welchen letzterer führte, am linken Oberschenkel wahrnehmbar. Bis auf einen um die Schultern gelegten Mantel und die Flügelschuhe ist der Gott nackt. Die unmittelbar seitlich hinter ihm befindliche Gestalt dürfte wohl in ähnlicher Bewegung begriffen gewesen sein; ihre Kleidung besteht aus einem kurzen, gegürteten Gewand und aus Schuhen.
Ein heute verschollenes, an der linken Seite anpassendes und gleichfalls reliefverziertes Plattenstück erwies sich als linker Teil der vorliegenden Platte und enthielt als Reliefdarstellung die Gestalt eines auf einem Felsen sitzenden Hirten, zu dessen Füßen ein Ziegenbock lagerte. Dieses Stück erlaubt die ungefähre Rekonstruktion des wesentlichen Teiles des gesamten Reliefs und auch die Deutung seines Bildinhaltes. Hier war Hermes in seiner Eigenschaft als Geleiter der Toten in das Jenseits dargestellt (Hermes psychopompos oder psychagogos), wobei sowohl das Hinabführen in den Hades wie auch das Emporführen aus der Unterwelt in das Elysion mit dieser Eigenschaft des Gottes verbunden sein konnte.
Hier wird man wohl dem letzteren Geschehen den Vorzug lassen, da der auf dem Felsen sitzende Hirte mit dem Ziegenbock (dieser war auch Attribut des Hermes) gewissermaßen als Genrebild zur Darstellung elysischer Gefilde anzusehen ist, in welche der Verstorbene durch den Gott geleitet wird.
Material / Technik
Material: Marmor aus Spitzelofen
Maße
Objektmaß: 80 x 64 x 30 cm
Klassifikation
Inventarnummern
Lap. 248
Inschrift
Referenznr.: LUPA 1006
Literatur
Die Römersteinsammlung des Landesmuseums für Kärnten, Gernot Piccottini; Klagenfurt, 1996, 88
Standort
kärnten.museum
Zugehörige Highlights

