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Relief, Sankt Michael am Zollfeld/Maria Saal

Zuordnung
Beschreibung
Diese Reliefplatte ist wohl als Teilstück eines größeren Monumentes zu verstehen; eine weitere (anpassende?) Platte ähnlichen Bildinhaltes war bis 1870 noch vorhanden, ist jetzt aber nur mehr durch eine Zeichnung gegenwärtig. Dargestellt wird ein nach links hin sprengender Zug jugendlicher Reiter, welche durch ein von einem Pilaster am rechten Rand vorgestelltes Tor in jenen Bereich einreiten, in dem sich der eigentliche Zweck ihres Aufzuges entfalten sollte. Die beiden voranreitenden Knaben tragen eine kurze Ärmeltunica, enge Beinkleider und vermutlich Stiefel. Der vordere, im Sinne der Perspektive etwas größer gestaltete Reiter hält mit der linken Hand, an langer Stange, eine Fahne (vexillum) hoch und ist dem Beschauer zugekehrt; der zweite Knabe trägt links einen Ovalschild (parma) mit Schildbuckel. Die Pferde sind mit Zaumzeug, Zügel, Brust- und hinterem Gurt versehen, ebenso mit einer mit Fransen besetzten Satteldecke; ihre Mähnen scheinen besonders zugestutzt zu sein. Die strenge Profilansicht der Figuren und die geringe Plastizität des Reliefs lassen die Darstellung, trotz der Bewegung der Pferde, doch eher starr und etwas unbeholfen erscheinen. Die beschriebene Reliefdarstellung dürfte wohl in engstem Zusammenhang mit dem für Virunum überlieferten Jugendbund (collegium iuvenum) stehen, jenem Verein, der sich in entsprechenden Inschriften offenbar nach seinem Vereinslokal Manlia, als iuvenes collegii Manliensium, iuventus Manliensium oder collegium Manliensium bezeichnet hat. Derartige Jugendvereine sind in den autonomen Städten Italiens und der Provinzen des Reiches nicht selten gewesen und waren für die männliche Jugend aller sozialer Schichten, mit Ausnahme der Sklaven, zugänglich. Zu den wichtigsten Veranstaltungen, gewissermaßen zur Repräsentation des Kollegiums, gehörte vermutlich an einem jährlichen Festtag die öffentliche Aufführung eines Reiterspiels durch seine Mitglieder, welches als lusus iuvenalis bezeichnet wurde. Man wird daher nicht fehlgehen, das Reliefbild auf der vorliegenden Platte als Darstellung dieses Reiterspieles zu interpretieren. Unter Zuhilfenahme des ähnlichen Bildinhaltes auf der zweiten, nicht mehr erhaltenen Platte wird es möglich, die Gesamtdarstellung mit dem u. a. bei Vergil (Aeneis 5, 556 ff.) geschilderten „Trojaspiel“ (lusus Troiae) in Beziehung zu bringen, in dessen Verlauf zwei Reiterabteilungen auf das Feld einritten, um in weiterer Folge eine Anzahl von bestimmten Figuren nach Art eines Labyrinthes zu reiten. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind die beiden Platten keinem Grabdenkmal zuzuordnen, sondern zierten viel eher ein Monument der iuventus Manliensium im Bereich des Vereinslokals (schola) oder dieses selbst.
Datierung
100 - 150
Material / Technik
Maße
Objektmaß: 71 x 120 x 23 cm
Klassifikation
Inventarnummern
Lap. 5
Inschrift
Referenznr.: LUPA 5768
Zugehörige Highlights