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Grabinschrift, Rosendorf/Maria Saal

Zuordnung
Beschreibung
Iulius Aprilis, ein Soldat, dem der Grabtitulus gewidmet ist, besaß römisches Bürgerrecht und war als Benefiziarier in eine Kohorte dienstzugeteilt. Diese von römischen Offizieren ritterlichen Ranges kommandierten Hilfstruppeneinheiten (auxilia) konnten reine Fußtruppen zu rund 500 Mann (cohors quingenaria peditatia, Kommandant: praefectus cohortis) bzw. rund 1000 Mann (cohors milliaria peditata, Kommandant: tribunus cohortis) sein, oder sie waren aus Infanterie und Kavallerie gemischte Verbände zu ebenfalls rund 500 Mann (cohors quingenaria equitata, Kommandant: praefectus cohortis). In allen diesen Verbänden dienten überwiegend freie Reichsbewohner ohne Bürgerrecht als Soldaten, denen nach dem ehrenvollen Abschied (missio honesta) nach rund 25 Dienstjahren u. a. das römische Bürgerrecht verliehen wurde. Die 1. Asturische Kohorte (cohors I Asturum), so nach ihrem ursprünglich in Nordwest-Spanien gelegenen Rekrutierungsgebiet bezeichnet, war eine aus Fuß- und Reitersoldaten gemischte Hilfstruppe zu 500 Mann (cohors quingenaria equitata), welche ab dem beginnenden 2. Jh. n. Chr. bis etwa zu dessen Mitte an der norischen Donaugrenze, vermutlich im Lager von Zeiselmauer (röm. Asturis?), in Garnison lag. Dieser Umstand lässt auch eine Datierung der vorliegenden Grabinschrift in die angegebene Zeitspanne zu. Bemerkenswert ist, dass aus dem Stadtgebiet von Virunum noch zwei weitere Inschriften von Angehörigen derselben Truppe bekannt sind. Iulius Aprilis wird als beneficiarius dieser Einheit bezeichnet; Benefiziarier waren besonders geeignete Soldaten im Range etwa eines Unteroffiziers, die, wie im gegenständlichen Fall, zum Kommandostab einer Truppe (beneficiarius legati legionis bei Legionen bzw. beneficiarius praefecti oder tribuni bei Hilfstruppen) abkommandiert gewesen sein konnten, genauso aber auch – von der Truppe entfernt – in den Verwaltungsbüros der Statthalter (officium) sowie an wichtigen Orten in den Provinzen (stationes) „zur besonderen Verwendung“ im Verwaltungsbereich eingesetzt (beneficiarius consularis oder beneficiarius procuratoris), auf bestimmte Zeit ihren Dienst versahen. Der Name Cauru ist einer der zahlreichen norisch-keltischen Frauennamen auf -u, ebenso norisch-keltisch ist der Name ihres Vaters Blendo. Dass die gegebene Abkürzung con in der Zeile 4 nicht zu con(iugi) = dem Ehemann, sondern zu con(tubernalis) = die Lebensgefährtin, aufgelöst wird, hat seine Ursache darin, dass Soldaten während ihrer aktiven Dienstzeit keine rechtsgültige Ehe schließen konnten, allfällige Verbindungen mit Frauen daher als „wilde Ehe“ (contubernium) gegolten haben.
Datierung
100 - 150 n. Chr.
Material / Technik
Maße
Objektmaß: 59 x 89 x 16 cm
Inventarnummern
Lap. 172
Inschrift
Iulio Aprili b(ene)f(iciario) / c(o)hort(is) I Asturum / stip(endorium) XXII Cauru / Blendonis f(ilia) con(tubernalis) v(iva) f(ecit) et sibi Übersetzung: Dem Iulius Aprilis, Benefiziarier der 1. Asturischen Kohorte mit 22 Dienstjahren, hat Cauru, Tochter des Blendo, die Lebensgefährtin, bei Lebzeiten (das Grabmal) und ebenso für sich errichtet. Referenznr.: LUPA 2591
Zugehörige Highlights