Votivaltar, Hohenstein/Liebenfels
Zuordnung
Beschreibung
Die ausschließlich in Noricum verehrte Göttin Noreia ist als wohl noch vorkeltische Züge tragende Muttergottheit insbesondere des keltischen Stammes der Noriker (Norici) anzusehen. In dieser Eigenschaft ist sie ebenso als Stadt- und Stammesgöttin sowie als Heilgottheit und Herrin über das irdische Schicksal zu verstehen. Der früheste inschriftliche Beleg für den Namen der Göttin stammt aus der Zeit um die Mitte des 1. Jhs. n. Chr. aus der Regierungszeit des Kaisers Claudius (41–54 n. Chr.) und der Epoche der Eingliederung Noricums als römische Provinz in das Imperium. Inschriften, datiert in die siebziger Jahre dieses Jahrhunderts und danach – alle errichtet von Personen italischer Herkunft, darunter sogar ein Statthalter der Provinz –, zeigen, dass Noreia inzwischen offenbar auch eine Interpretation mit der aus Ägypten nach Italien übernommenen Göttin Isis erfahren hatte. Ihre Eigenschaften stimmten also wesentlich mit jener der ägyptischen Göttin, die vorwiegend als fruchtspendende Muttergottheit, Herrin des Himmels wie der Unterwelt und des Schicksals angesehen wurde, überein. Weihungen, wie die vorliegende, konnten daher ebenso an Isis-Noreia gerichtet sein wie die Marmorstatue aus dem sog. Bäderbezirk von Virunum das Bildnis der Göttin – im Sinne dieser Interpretation – zwar versehen mit den Attributen der Isis, aber auch angetan mit dem Schmuck und Trachtenelementen einheimisch-norischer Frauen, wiedergibt (ausgestellt im Virunum Raum des Kärnten Museums).
In Hohenstein im Gailtal lag, durch Ausgrabungen und zahlreiche Inschriften nachgewiesen, ein umfangreicher Isis-Noreia geweihter Tempelbezirk, der wohl um die Mitte des 1. Jhs. n. Chr. errichtet und in der 1. Hälfte des 2. Jhs. n. Chr. renoviert/erweitert wurde.
Dass Isis-Noreia offensichtlich auch als Schutzgöttin und Spenderin des Bergsegens und des norischen Metallreichtums gegolten hat, wird durch die Stiftung des vorliegenden Weihealtars bzw. die beruflichen Eigenschaften der darin Genannten nahegelegt. Sie alle stehen unmittelbar mit der Nutzung der im Besitz des kaiserlichen Fiskus befindlichen norischen Eisenbergbaue (ferrariae Noricae) in engem Zusammenhang. Dabei erscheint der aus Aquileia stammende Großunternehmer Q. Septueius Clemens als Pächter (conductor) sowohl der norischen wie auch der pannonischen und dalmatinischen Eisensteuer, die übrigen als zugeordnete Verwalter (procuratores) und seine Untergebenen; Q. Septueius Valens, der Stifter, war darunter wohl ein Verwandter des Pächters. Unter den norischen Eisenbergbauen sind die bereits während der Antike genutzten Eisenvorkommen innerhalb des Kärntner Erzgebietes im oberen Görtschitztal zu verstehen.
Der Altaraufsatz, der gesondert, wohl samt einer Statuette der Göttin, auf dem Schaft befestigt war, ist nicht erhalten geblieben.
Material / Technik
Material: Marmor aus Kraig
Maße
Objektmaß: 56 x 22 x 17 cm
Klassifikation
Inventarnummern
Lap. 104
Inschrift
Isidi Norei(ae) / v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito) / pro salute / Q(uinti) Septuei(i) / Clementis / con(ductoris) fer(rariarum) N(oricarum) P(annoniarum) D(almatarum) / et Ti(berii) Cl(audii) Heraclae / et Cn(aei) Octa(vii) Secundi / pro(curatorum) fer(rariarum) Q(uintus) Septueius / Valens pro(curator) ferr(ariarum)
Übersetzung: Der Isis-Noreia hat Q. Septueius Valens, Verwalter der Eisengruben, das Gelübde gerne und nach Verdienst eingelöst, welches er für das Wohlergehen des Q. Septueius Clemens, des Pächters der norischen, pannonischen und dalmatinischen Eisensteuer, sowie für jenes der Verwalter der Eisensteuer, Ti. Claudius Heracla und Cn. Octavius Secundus, getan hatte.
Referenznr.: LUPA 5764
Zugehörige Highlights

